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Das Archival des Monats Mai 2020 ….

  • … zeigt ein kalligraphisch ausgeführtes Pergamentblatt aus den Handschriften des Stadtarchivs mit dem Gedicht „Verkündigung“ der Dichterin und Künstlerin Carmen Sylva.
  • Das Gedicht kam im Mai 1903 als Geschenk des von bürgerlichen Aachener Honoratioren getragenen Wohltätigkeitsvereins „La Habana“ nach Aachen, der die europaweit als sozial sehr engagiert geltenden Künstlerin Carmen Sylva um ein Gedicht zur Förderung des Vereinszwecks ersucht hatte.
  • Carmen Sylva war nicht nur Dichterin, sie war auch Königin von Rumänien. Unter diesem Pseudonym veröffentlichte Prinzessin Elisabeth zu Wied (1843-1916), wie sie eigentlich mit Geburtsnamen hieß, ihre Arbeiten als Schriftstellerin.

Foto Stadt Aachen
Copyright © Stadt Aachen / Stadtarchiv, Handschriften, Nr. 1105 bzw. V.

Das Aachener Stadtarchiv zeigt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als Archival des Monats. Das Stück mit einem kurzen Begleittext wird entsprechend in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert. Das Archival des Monats Mai 2020 zeigt so ein kalligraphisch ausgeführtes Pergamentblatt aus den Handschriften des Stadtarchivs mit dem Gedicht „Verkündigung“ der Dichterin und Künstlerin Carmen Sylva.

Ins Stadtarchiv kam dieses Stück im Mai 1903 als Geschenk des von bürgerlichen Aachener Honoratioren getragenen Wohltätigkeitsvereins „La Habana“. Der „Cigarren-Abschnitt-Sammel-Verein“, gegründet Weihnachten 1890, unterstützte arme Schulkinder ohne Unterschied der Konfession. Dafür sammelte er abgeschnittene Zigarrenenden, ließ daraus neue Zigarren herstellen und versteigerte diese für den wohltätigen Zweck. Hinzu kamen Sammlungen von zum Beispiel Stanniolpapier und Kleidungsstücken, die ebenfalls für den guten Zweck veräußert wurden.

600 Lithographien
Der Schriftführer des Vereins, Gerhard Hermandung, hatte bei der bekannten und europaweit als sozial sehr engagiert geltenden Künstlerin Carmen Sylva um ein Gedicht zur Förderung des Vereinszwecks ersucht. Die Kalligraphie wurde 600 Mal lithographisch reproduziert, um für den Verein zu werben. Die großformatigen Drucke wurden an potentielle Neumitglieder verschenkt oder „um das Wohlwollen edler Menschenfreunde zu erhalten.“ Bedacht werden sollten vor allem die „Spitzen der Behörden, die Ehrenmitglieder und die Wähler 1. Klasse“ nach dem damaligen Dreiklassenwahlrecht, womit die wohlhabendsten Aachener gemeint waren.

Das Gedicht hat folgenden Text:

Verkündigung

In die fliessenden Fluthen vergangener Zeit,
Sind sonnige Klänge versunken,
Sie haben das klagende, leuchtende Leid,
Das wunderbar herrliche Seelengeschmeid,
Verborgen, verschlungen, getrunken.

Und in der verschwiegenen, sternklaren Nacht,
Drein Unverstand’nes geweint hat,
Da hat das Schöne sich aufgemacht,
Die Herzenskammer betreten sacht,
Die jegliches Hoffen verneint hat.

Und kam als beglückender Fhau, Demant,
Rubin verspottend, und Perlen,
Als Funkelwelle durch Wüstenbrand,
Als Samenspriessen im dürren Sand,
Feucht schleiernd durch Weiden und Erlen:

Die Zeit ist nicht, und das Alter nicht,
Vergangen Nichts und verloren,
Blick das, du thränendes Angesicht,
Die Nacht wird sonnig im Strahlenlicht:
Aus dir ist die Welt geboren!

Carmen Sylva

Carmen Sylva war nicht nur Dichterin, sie war auch die Königin von Rumänien. Als Carmen Sylva veröffentlichte Prinzessin Elisabeth zu Wied (1843-1916), wie sie eigentlich mit Geburtsnamen hieß, ihre Arbeiten als Schriftstellerin. Künstlerisch talentiert und durch ihre Hauslehrer gefördert, war sie im Erwachsenenalter als Dichterin, aber auch als Malerin erfolgreich und europaweit populär.

Fürst von Rumänien
Bei einer ihrer Auslandsreisen in ihrer Jugendzeit, die zu ihrer fürstlichen Erziehung dazu gehörten, lernte sie in Berlin 1861 ihren späteren Ehemann, Prinz Karl von Hohenzollern-Sigmaringen (1839-1914) kennen, den sie am 15. November 1869 in Neuwied heiratete. Nach der Hochzeit zog das Paar nach Bukarest. Bereits 1866 war Prinz Karl in einer Volksabstimmung zum Fürsten von Rumänien gewählt worden, nachdem der Staatsgründer des Fürstentums Rumänien, Alexandru Ioan Cuza, abdanken musste. Nach dem Russisch-Türkischen-Krieg, in den Rumänien an der Seite Russlands eingetreten war, erlangte das Land durch den Berliner Vertrag von 1878 seine volle Souveränität. Fürstin Elisabeth hatte im Krieg persönlich Verwundete gepflegt, wofür sie europaweit Anerkennung erlangte, verschiedene Ehrungen folgten.

Rumänien erhob sich durch den Parlamentsbeschluss vom 26. März 1881 zum Königreich; Karl wurde am 25. Mai 1881 als Karl I. von Rumänien (rumänisch: Carol I al României) zum rumänischen König gekrönt, an seiner Seite Königin Elisabeth (rumänisch: Elisabeta a României).

Tagebuch in Versform
Seit ihrer Kindheit hatte Elisabeth zu Wied Tagebuch in Versform geführt und darin ihre Erlebnisse verarbeitet, zunächst nur privat. Nach einer Begegnung mit dem Schriftsteller und Diplomaten Wilhelm von Kotzebue begann sie ab 1880 ihre Gedichte, Novellen, Aphorismen, Romane, Märchen, Essays und Gedichte zu veröffentlichen - ab 1881 unter dem Namen Carmen Sylva. Nur von einer persönlichen und gesundheitlichen Krise zwischen 1891 und 1894 unterbrochen, veröffentlichte sie in der Folge zahlreiche Werke.

Bekannt wurde sie wohl vor allem wegen der Stimmung ihrer Zeit. Die Veränderungen des Wilhelminischen Zeitalters ließen breite Bevölkerungsschichten in der Bewunderung und Verherrlichung des Hochadels verharren. Elisabeth zu Wied wurde von der Öffentlichkeit als dichtende Königin wahrgenommen, nicht als Künstlerin. Ihr Ziel, eine bedeutende Künstlerin zu werden und von der Literaturgeschichte auch als solche anerkannt zu sein, konnte sie jedoch nicht erreichen.

Herausgegeben am 30.04.2020 von:

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Fachbereich Presse und Marketing
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