Inhalt



Traumhafte Ideen für eine Oase in der Innenstadt

  • Der „Aktionstag Bushof“ bringt interessierte Bürger und Bürgerinnen, sowie die verantwortlichen Akteure von Politik, Polizei und Stadtverwaltung zusammen. Probleme werden zusammengetragen, aber es gibt auch Raum für Visionen für die Zukunft.
  • Oberbürgermeister Marcel Philipp bekennt sich zum Mobilitätsort der Zukunft: Sofortmaßnahmen und langfristige Planungen müssen sofort beginnen.
  • Frauke Burgdorff, Aachens Beigeordnete für Planung, Bauen und Mobilität, will die VHS als „Wohnzimmer der Stadt“ und mit ihr den Bushof in den nächsten fünf Jahren so gut „aufräumen“, dass man sich dort wieder gern aufhalte.
Stadt Aachen
Oberbürgermeister Marcel Philipp eröffnet den „Aktionstag Bushof“ und hört später noch eine ganze Weile interessiert zu. © Stadt Aachen / Andreas Herrmann

Mit einer gelungenen Mischung aus freundlichem Beisammensein und themenbezogener Fachtagung ist Dr. Beate Blüggel und Heidemarie Ernst beim „Aktionstag: Bushof“ ein Phänomen gelungen. 90 Bürger und Bürgerinnen, zahlreiche Vertreter städtischer Fachbereiche, Kommunalpolitiker, Vertreter der Polizei sowie Studierende der RWTH Aachen trafen sich, um die gegenwärtigen Probleme mit dem umstrittenen Baukomplex zusammenzutragen, zugleich aber auch, um Visionen für die Zukunft Raum zu geben. Mit dabei unter anderem auch Frauke Burgdorff, Aachens neue Beigeordnete für Planung, Bauen und Mobilität.

Warum nicht schwärmen und von einer beliebten Oase inmitten der Stadt träumen, dabei aber die sehr realen Probleme zeitnah angehen? Wie das geht, beweisen Beate Blüggel, Leiterin der Volkshochschule Aachen, zusammen mit Heidemarie Ernst, seit einem Jahr Leiterin der Koordinationsstelle Bushof, der bunt gemischten Gästeschar. Wer das handgeschriebene Nameszettelchen an der Brust trägt, gehört dazu, darf mitdiskutieren, fragen, seine Erfahrungen beitragen. Heidemarie Ernst begrüßt jeden persönlich, oft mit den Worten: „Ich kümmere mich um den Bushof!“ – und im Blick auf das ungeliebte bauliche Schmuddelkind gelingt ihr das gut. Ein bisschen verlegen muss sie an diesem Morgen erfahren, wie man sie und ihren Einsatzwillen, die unkonventionelle Heiterkeit aber gleichzeitig ihr sachbezogenes Wissen schätzt. Das tut allen gut, das ist ausbaufähig.

Stadt Aachen
Dr. Beate Blüggel (links), Leiterin der Volkshochschule Aachen, und Heidemarie Ernst, Leiterin der Koordinationsstelle Bushof: die beiden Organisatorinnen des „Aktionstags Bushof“. © Stadt Aachen / Andreas Herrmann

Den Bushof als sozialen Raum in den Griff bekommen
Wie wichtig der Stadt dieser Knotenpunkt ist, der vielfach nur noch in Zusammenhang mit Alkohol- und Drogensucht, Kriminalität, Dreck und Gewalt genannt wird, beweist Oberbürgermeister Marcel Philipp, der den Aktionstag eröffnet und noch eine ganze Weile zuhört. „Was hier zu sehen ist, ist das Ergebnis von Städtebauern und Planern, die uns heute vielfach vorwerfen, dass die Politik nicht richtig entschieden hätte“, macht er neugierig auf den ihm nachfolgenden Vortrag von Professor Christa Reicher, Inhaberin des Lehrstuhls Städtebau und Entwerfen der RWTH. Doch zunächst ist es Philipp ein Anliegen, den Bushof als sozialen Raum „heute, morgen und übermorgen“ so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen.

„Es ist gleichzeitig eine architektonische und städtebauliche Frage, ob dieses Gebäude hier auf Dauer erhalten bleibt, oder vielleicht teilweise irgendwann nicht mehr steht“, sagt Philipp. „Die Frage ist, wie wir dann entscheiden, wie man es sich zukünftig vorstellt.“ Es gehe nicht nur um ein Gebäude, sondern um eine Nutzungsstruktur im Zentralbereich der Innenstadt mit der „Hauptfunktion der Mobilität“. Was hier entstehe, müsse auch in 50 Jahren noch funktional sein. Ob dann noch Busse in die trüb beleuchtete Innenhalle fahren, ist eher unwahrscheinlich. „Ich bin so froh, dass wir einen Einstieg in die Problematik gefunden haben, bei dem es schon den Blick in die Zukunft gibt, denn wir müssen dieses Thema aktuell anpacken“, versichert der Oberbürgermeister und wendet sich an die Studierenden: „Sie haben den Bushof auseinandergenommen, völlig zu Recht!“ Funktional wie baulich eröffne das neue Perspektiven. Er ist sich sicher, dass das Thema Bushof heute in die kommunalpolitische Arbeit stärker als bisher einfließen und in der nächsten Wahlperiode eine Rolle spielen werde.

Angehende Städtebauer haben den Bushof unter die Lupe genommen
Und bevor es um die Probleme der Gegenwart, um Müll an den Haltestellen, Gestank in den Ecken, fehlende oder zerstörte Toiletten, beschmierte Wände und nicht zuletzt die unendliche Tristesse dieses Ortes geht, an dem Mitarbeiter von Ordnungsamt und Polizei permanent im Einsatz sind, dürfen die Zuschauer staunen. Christa Reicher stellt Analysen und Entwürfe vor, Visionen ihrer Seminarteilnehmerinnen und –teilnehmer, die als angehende Städtebauer den Ort unter die Lupe genommen haben. Und das könnte jetzt bereits mögliche Investoren interessieren, ohne die es - das versichert das Stadtoberhaupt - bei der konkreten Umsetzung von Verbesserungen und Veränderungen nicht gehen wird. Der Bushof ist dabei nicht isoliert als Gebäudekomplex an der Peterstraße zu sehen, sondern ist mit Alexanderstraße, der Kirche St. Peter mit dem Peterskirchhof, der Stadtbibliothek, Seilgraben und dem Alten Kurhaus verbunden. All das kann und muss eine Rolle spielen, wenn man an neue Lebensqualität für Anwohner, Geschäftsleute und Busnutzer denken will. Mit diesem Hintergrund hat übrigens die Initiative „StadtBauKulturNRW“ den „Aktionstag Bushof“ unterstützt.

Gegenwart und Zukunft des Bushofs
Städtebau-Professorin Christa Reicher hat sich im Vorfeld in Frankfurt, Trier und Dortmund umgesehen, die dortigen Knotenpunkte des Öffentlichen Personennahverkehrs erkundet. Unter dem Motto „Aachen 2040+“ forderte sie zum Ideensammeln und Modell-Bauen auf, stets mit der Frage: Wie könnten Gegenwart und Zukunft des Bushofes aussehen? Der Blick zurück in die 50er bis 70er Jahre beweist: Die funktionalen nüchternen Bauten dieser Zeit, häufig kastenartig in die Städte gestapelt, sind nicht unbedingt zu verdammen. „Sie haben einen eigenen Wert, der Einsatz neuer Materialien war wichtig“, nimmt Christa Reicher diese Zeichen der Zeit in Schutz. „Sowas muss man nicht unbedingt abreißen!“

Die autogerechte Stadt war in diesen Jahren, als der Katschhof in Aachen noch als Parkplatz diente, prägendes Ziel. Die Unterführung mit ihren kleinen Geschäften vom Bäcker bis zum Blumenhändler im „Untergrund“ des Kaiserplatzes wurde von den Bürgern geschätzt. „Der Kaiserplatz war damals der urbanste Ort, den ich kannte“, erinnert sich die Professorin. Das ist vorbei, jetzt wird ebenerdige Planung bevorzugt. Wichtig bleibt dabei die Pflege eines Baus. Der Begriff „Sanierungsstau“ ist bei einem intensiv genutzten Areal wie dem Bushof ein peinliches Unwort, aber reales Zeichen mangelnder Pflege. Und Pflege müsse an einem Ort, der von so vielen Menschen genutzt wird, eben sein.

Der Bushof hat Potential
In den Entwürfen der Studierenden ist alles schön: der Bushof als kultureller Ort, Nutzung der Nähe zu den Fußgängerzonen, klimafreundliche, grüne Inseln zum Verweilen, die Peterstraße als Allee, eine Markthalle, Shops, Lösungen für den Radverkehr, angenehme Fassaden – Lebensräume eben, die den Lärm und die Angsträume der Gegenwart vergessen lassen. Dabei stehen E-Mobilität und autonome Mobilität, wie sie Oberbürgermeister Philipp dringend einfordert, ganz oben auf der Liste möglicher Planungen. Eine Darstellung von 1813, die das quirlige Kurleben mit flanierenden Gästen rund um das Kurhaus zeigt, stellt Christa Reicher dem Wunsch zur Seite, den Ort, den viele am liebsten meiden, zum neuen Zentrum der Begegnung zu machen. Was sie den Teilnehmern am Aktionstag mitgibt, sind drei Aspekte: Der Bushof und sein Umfeld haben Potenzial, die aktuelle Mobilitätswende, die so ähnlich wie der Wechsel von der Pferdekutsche zum Auto tiefgreifende Folgen haben wird, darf nicht verschlafen werden, und ohne intensive Pflege geht gar nichts.

Eine „Stadtmission“ am Bushof?
Das greift in ihrem Beitrag Heidemarie Ernst auf - mit drastischen Bildern, unaufgeregt und klar. Rund 70.000 Menschen durchlaufen oder -fahren den Bushof täglich, 40.000 Fahrgäste steigen ein, aus und um. Die Leiterin der Koordinationsstelle dokumentiert den „Ist-Status“, zeigt, wo es etwa durch „Querbeet“, einer Initiative der Suchthilfe, schon blüht, wo man Verbesserungen selbst inmitten einer schwierigen Klientel erreichen konnte. Alte Matratzen, Menschen, die sich in Hauseingängen festsetzen, trinken, urinieren, Drogen konsumieren – da klingt der Begriff „Stadtmöblierung“ zynisch. Für rund 1.000 Anwohner und (noch) 300 Gewerbetreibende setzt sich die Koordinationsstelle ein. „Kehrmaschinen reichen nicht, es müssen andere Konzepte her“, sagt Heidemarie Ernst, die sich zum Beispiel nach dem Vorbild der Bahnhofsmission gut eine „Stadtmission“ vorstellen könnte. Denn die „sozialen Randgruppen im öffentlichen Raum“, da sind sich alle vor Ort Aktiven sicher, wird es in Kombination mit Wohnungslosigkeit und Beschaffungskriminalität weiterhin geben. In diesem Zusammenhang freut Ernst sich, dass der Vorschlag des Netzwerks Bushofs, dort eine öffentliche Toilette einzurichten, breite Unterstützung fand und im nächsten Jahr umgesetzt wird. Ein Standurinal ist bereits bestellt.

Fünf unterschiedliche Workshops
In fünf Workshops geht man anschließend einzelnen Fragen auf den Grund und sammelt Anregungen – und das zusammen mit Profis. So erfahren die Teilnehmer bei „Sauberkeit und Sicherheit“ von Detlev Fröhlke, Leiter des Ordnungsamtes, und Dirk Hoff, Vertreter der Polizei in Aachen, wie effektiv die Überwachung des Bushofgeländes funktioniert. „Wenn ein Kollege verdächtige Bewegungen oder Ansammlungen sieht, können in wenigen Minuten Beamte vor Ort einschreiten, die Leute überprüfen“, berichtet Hoff. „Wer da etwas plant, verliert im besten Fall die Lust. Außerdem sind dann seine Personalien erfasst.“ 2020 werden im Gebäude Peterstraße/Blondelstraße, wo es zuvor einen Billigladen gab, die Etagen für den Fachbereich Sicherheit und Ordnung bezogen. Erfolgversprechend laufen auch die Planungen für die gemeinsame Anlaufstelle von Polizei und Ordnungsamt.

Lebhaft geht es unter dem Motto „Soziales“ bei Rolf Frankenberger (Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration) zur Sache. Hier wandern Zettel mit Anregungen wie „Fußgänger stärken“, „Barrierefreiheit“ an die Pinnwand – aber auch der Satz: „Es gibt keine hundertprozentigen Lösungen.“ „Shopping und Restaurants“ moderiert von Dieter Begaß (Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft und Europa) kommt in Schwung, als die Inhaberin eines Cafés an der Alexanderstraße aus ihrem Alltag berichtet, besonders von den bürokratischen Hürden vom Blumenkübel bis zur Weihnachtsdekoration, von den Mühen wegen einer Baustelle, die statt der angekündigten Wochen bereits zwei Jahre lang das Geschäft behindert.

Kunst und Kultur im Bushof
„Kunst und Kultur“ im Bushof? Hier ist Kai Hennes, vom u-Institut Berlin (Institut für unternehmerisches Handeln) eine Weile zusammen mit Heidemarie Ernst und einer Anwohnerin allein, denn das erscheint den meisten wohl nicht als dringendes Thema im Bushof. Es ist aber eine wichtige Chance, wie Dezernentin Frauke Burgdorff betont, die sich dann doch zusammen mit Marianne Conrads, Bürgermeisterin für den Bezirk Aachen-Mitte, spontan an der Runde beteiligt. „Das schlechte Image dieses Ortes kann man durch Kultur gut beeinflussen“, meint Frauke Burgdorff. „Das darf nur nicht zu zart, zu nett und zu leise sein, keine didaktische Kunst, nichts Langweiliges.“ Sie schlägt als Unterstützung der Koordinationsstelle eine zeitlich auf vielleicht zwei Jahre begrenzte „Intendanz“ mit einem Eigenmittel-Topf vor, um etwas aufzubauen.

Den „Bushof der Zukunft“ nimmt eine von Uwe Müller (Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen) betreute Gruppe unter die Lupe. Der Bushof, ein Unort? Ja! Und warum, das sagt die Sammel-Wand. Dabei wird nicht etwa eine Idylle gefordert, sondern ein urbaner Ort mit Lebensqualität, wo sich auch Jugendliche an „nicht kommerzialisierten Plätzen“ treffen können.

Start in eine neue Bushof-Zukunft
Schließlich läutet Beate Blüggel mit ihrer weißen Glocke überall die letzte Runde ein, fasst Kernfragen zusammen und verteilt Blumensträuße. Zuvor hat Frauke Burgdorff noch einmal das Wort. „Es ist ein gutes Gefühl, dass wir jetzt die Weichen für das stellen können, was in 20 oder 30 Jahren sein wird“, betont sie. „Es gibt so riesige Fragen, damit müssen wir sorgfältig umgehen.“ Ihr Traumziel: In 15 Jahren soll Aachen die „lässigste und entspannteste Innenstadt von ganz Europa“ haben. Erreichen will sie dies mit „Brillanz und Qualität“. Ihr Motto: Mit dem Kopf im Himmel die Bodenhaftung behalten und in die Zukunft blicken. Das bezieht sie auch auf den Ort des Aktionstages. Es gelte, die VHS als „Wohnzimmer der Stadt“ und mit ihr den Bushof in den nächsten fünf Jahren bereits so gut „aufzuräumen“, dass man sich dort wieder gern aufhalte. Ein intensiver, guter Start in eine neue Bushof-Zukunft, die nicht zuletzt für die Volkshochschule wichtig ist. Die Wechselwirkung macht’s.

Herausgegeben am 25.11.2019 von:

Stadt Aachen
Fachbereich Presse und Marketing
Bernd Büttgens
Markt 39
52062 Aachen
fon: 0241/432-1309
fax: 0241/28-121
mail: presse.marketing@mail.aachen.de

Pressekontakt

Stadt Aachen
Fachbereich Presse und Marketing
Bernd Büttgens
Markt 39
52062 Aachen
Tel.: 0241/432-1309
Fax: 0241/28-121
Mail

Twitter Logo

Facebook Logo instagram