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Archivalie des Monats September 2017

  • Die Archivalie des Monats September zeigt das Testament der Isabella Gräfin von Harscamp.
  • Heutige Harscampstraße ist nach der ehemaligen Aachenerin benannt.
  • Aus der Harscamp‘schen Stiftung entstand der städtische Armenfonds.

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Präsentieren die Archivale des Monats in der Harscampstraße, die nach Isabella Gräfin von Harscamp benannt wurde: Dr. René Rohrkamp (Leiter Stadtarchiv Aachen), Friederike Tiedeken (Bibliothekarin Stadtarchiv Aachen) und Anne Donners (städtischer Fachbereich 20 / Stiftungsverwaltung). © Stadt Aachen/Nadine Jungblut

Das Aachener Stadtarchiv zeigt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als Archivalie des Monats. Die Archivalie mit einem kurzen Begleittext wird dann einen Monat lang in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert.

Die Archivalie des Monats September zeigt das Testament der Isabella Gräfin von Harscamp (geborene Brunelle am 3. September 1724 in Aachen, verstorben am 8. Mai 1805 in Namur), deren wohltätige Bemühungen bis heute nachwirken und nach der auch die Harscampstraße benannt wurde.

Zeitgenössische Quellen berichten von der Schönheit und Anmut Isabellas, in die sich der französische Graf Pontian von Harscamp, der seinerzeit als Kurgast in Aachen zu Besuch war, unsterblich verliebte. Am 3. September 1748 heirateten Isabelle und Pontian in Ungarn. Sie bekamen zwei Söhne und eine Tochter, die jedoch alle drei an Pocken verstarben. Graf Pontian setzte Isabella somit als Alleinerbin in sein Testament. Sowohl Pontian als auch Isabella waren Zeit ihres Lebens als große Wohltäter bekannt und unterstützten notleidende Menschen in ihren Heimatstädten Aachen und Namur.

Am 29. Januar 1805 verfasste Isabella ihr 59-seitiges Testament in französischer Sprache, das auch im Lesesaal des Stadtarchivs eingesehen werden kann. Darin bedachte sie die Städte Namur und Aachen großzügig mit Schenkungen.

Sie sollten für Brotspenden, zum Wohle von „verschämten Armen“ (gemeint sind Arme, manchmal unverschuldet in Not Geratene, die sich ihrer Armut schämen und daher nicht betteln gehen), sowie zur Berufsausbildung von Mädchen und Jungen aus verarmten Adels- und Bürgerfamilien verwendet werden.

In Namur wurde das Stiftungsgeld in Grundbesitz angelegt und dient bis heute dem Unterhalt eines Hospizes für alte Menschen. In Aachen wurden im Jahr 1900 – knapp 100 Jahre nach Isabellas Tod – laut „Auskunftsbuch über die Wohlfahrts-Einrichtungen der Stadt Aachen“ aus der Harscamp‘schen Stiftung insgesamt 24.258 Goldmark gemäß des Haushaltsplans ausgeschüttet, im Jahr 1901 waren es 15.458 Goldmark. Inzwischen existiert die Aachener Stiftung nicht mehr. Mit Wirkung vom 1. Januar 1967 ist das zu dem Zeitpunkt noch vorhandene Vermögen der Harscamp‘schen Stiftung in den städtischen Armenfonds eingeflossen. Die Erträge kommen hierüber weiterhin gemeinnützigen oder mildtätigen Zwecken zugute, wie in der Jugendhilfe, Altenhilfe, Erziehung, Volks- und Berufsbildung sowie Studentenhilfe, aber auch in der Hilfe für politisch oder religiös Verfolgte, für Flüchtlinge und Vertriebene und das Wohlfahrtswesen. Zuschüsse gehen z.B. an den Deutschen Kinderschutzbund, die Diakonie, SKM, und Refugio e.V.

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Portrait Isabella Gräfin von Harscamp. © Stadtarchiv Aachen

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Testament der Isabella Gräfin von Harscamp. © Stadtarchiv Aachen